Leseprobe

Aus Kapitel 16. Ein schiefes Becken bringt Probleme

Leider wird diesem Umstand oft viel zu wenig Beachtung geschenkt und mit folgenden Worten abgetan: „Ein bissl schief sind wir ohnehin alle, das ist kein Problem, das macht nichts.“ Das ist jedoch ein folgenschwerer Irrtum. Im schlimmsten Fall wird diese nicht anatomische Beinlängendifferenz wie eine anatomische behandelt, und zwar mittels eines Höhenausgleichs. Während bei einem anatomischen Längenunterschied ein Höhenausgleich durchaus nützlich ist, verschlimmert man bei einem funktionellen Längenunterschied die Fehlstellungen im Becken. Dadurch wird die Schiefstellung bzw. Fehldrehung der Beckenschaufeln unterstützt. Die Wirbelsäule muss diese Fehlstellung ausgleichen und kommt in eine Fehlbelastung. Dies wiederum kann zu einer ganzen Reihe von Kompensationsmechanismen führen.
Dauert die Fehlstellung im Becken längere Zeit an, reagiert der Körper mit einem neurologischen Reflex: Die Versorgung der Muskulatur auf der Oberschenkelrückseite mit Nervenim- pulsen wird reduziert. Das hat zur Folge, dass diese Muskulatur nicht ihre volle Kraft und Reaktivität aufbauen kann, und somit ihre Funktion nicht zu hundert Prozent erfüllen kann. Beim Muskelfunktionstest wird diese Muskelgruppe schwach erscheinen. Folgende Bereiche sind dann nicht ausreichend muskulär gestützt bzw. geschützt:

  • Knie
  • Hüfte/Leiste
  • Füße
  • Lendenwirbelsäule
  • Schultergelenk

Was jetzt passiert, wissen Sie bereits:
Der Körper gleicht die fehlende Muskelaktivität durch mehr Aktivität anderer, benachbarter Muskeln aus. Da diese Muskulatur jedoch nicht für eine dauerhafte Ausgleichsbelastung geschaffen ist, kommt es wiederum zu Problemen an einer anderen Stelle, mitunter sogar an einem Organ. Wie Sie in Abbildung 11 sehen können, kann ein Ungleichgewicht in der knöchernen Struktur (verdrehtes Becken, verschobene Wirbelsäule) zur Folge haben, dass die Nerven, die aus der Wirbelsäule austreten, auf Grund der falschen Stellung der einzelnen Wirbel irritiert werden. Diese Nerven leiten dann zu wenig Information an die von ihnen versorgten Muskeln und Organe, was wiederum ein weiteres strukturelles Ungleichge- wicht erzeugt. Es entsteht abermals ein Teufelskreis der Kompensationen und Ursache-Folge-Ketten.